Der Trend geht zu Alleinreisen, keine Frage. Es gibt immer mehr Beiträge von alleinreisenden Frauen, die über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Aber die Texte vermitteln mir oft ein diffuses Gefühl von, nennen wir es Anspannung. Denn eigentlich beginnen alle Berichte immer mit Angst. Angst davor, was die anderen denken könnten, Angst, in den fremden Ländern und Kulturen anzuecken, Angst vor der Einsamkeit, Angst, weil man ausgerechnet als Frau alleine reisen will… Und dann folgt ein – für mich eher mattes: aber wenn Du das alles überwunden hast, wirst Du sehen, wie gut es Dir gefällt und wie stark Du wirst.

Ja klar, man geht aus jeder Krise gestärkt hervor. Aber alleine zu verreisen ist ja nicht immer eine freie Entscheidung, oft entsteht es eher aus einer Not heraus. Man findet keinen, der gleichzeitig Urlaub hat, genauso viel oder wenig Geld hat, das gleiche Land sehen will… Irgendwann kommt zwangsläufig der Gedanke: und wenn ich alleine fahren würden? Oder vielleicht auch etwas trotziger: dann fahre ich eben alleine!

Richtig so! Fahr alleine, bevor Du gar nicht fährst! Und lass Dich bloß nicht verrückt machen von irgendwelchen “Experten” im Alleinreisen. Du musst nicht als Erstes gleich in ein islamisches Land oder ins australische Outback! Mach langsam, übe erstmal, guck, ob es Dir gefällt. Und wenn Du Dich nur 3 Tage an die Ostsee traust, dann ist das prima! Du lotest Deine Grenzen aus und das solltest Du unbedingt in Deinem Tempo und zu Deinen Bedingungen tun.

Falls Du aber schon darüber nachdenkst, ins europäische Ausland zu gehen, dann will ich Dir mit diesem Artikel die Côte d’Azur schmackhaft machen.

beim Schnorcheln kann man hier tolle Fische sehen

8 Fakten, warum die Côte d’Azur solo toll ist

1) Die Kultur ist ähnlich

Frankreich ist ein christliches Industrieland. Die Unterschiede zu Deutschland sind gering. Frauen sind genauso gleichberechtigt wie bei uns, teilweise sogar mehr. Mütter haben es beispielsweise einfacher, Arbeit und Kind unter einen Hut zu bringen.

Für Touristen bedeutet das, dass es keine spürbaren Unterschiede zu Deutschland gibt. Es gelten die gleichen Regeln: Bikini am Strand ist okay, oben ohne wird manchmal toleriert, FKK geht nur an ausgewiesenen Abschnitten. Ins Restaurant geht man ordentlich bekleidet und nicht im Bikini, Männer müssen den Oberkörper bedecken – sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Ebenso in Kirchen: Schultern und Knie bedecken – in Frankreich wie in Deutschland die selbe Frage des Respekts.

2) Essen gehen

Alleine in ein Restaurant oder Bistrot zu gehen, ist in Frankreich weder beschämend noch ungewöhnlich. Hier geht es um die Liebe zum Essen und die Franzosen bewundern Menschen, die ein gutes Gericht genießen können. Ob sie dabei alleine sind, spielt keine Rolle. Allerdings kann es passieren, dass Du in der Hochsaison in den Touristenhochburgen einen Katzentisch in irgendeiner Ecke zugewiesen bekommst. Sie verdienen an Deinem Tisch ja dann nur die Hälfte. Kann man zwar verstehen, aber auch ein wenig vermeiden, indem man kleine Restaurants von Einheimischen besucht und sich ein bisschen mit dem Personal unterhält, anstatt hinter einem Buch oder dem Smartphone zu verschwinden.

Und wenn Dir das erstmal zu anstrengend ist, dann kannst Du Dich auf den Märkten mit den leckersten Lebensmitteln eindecken, die Du Dir nur vorstellen kannst!

3) in Kontakt kommen

Die Südfranzosen sind gesellige und hilfsbereite Leute. In der Hochsaison herrscht bei im Dienstleistungssektor tätigen Einheimischen ein unglaublicher Stresspegel. Ich glaube, dass das drei entscheidende Gründe hat: zum einen ist Arbeit bei der Hitze super anstrengend, zum anderen sind die Touristen wegen der Hitze anstrengend und zum dritten verlaufen die restlichen 9 Monate deutlicher ruhiger, der Unterschied ist zu groß.

Dennoch plaudern die (meisten) Franzosen gerne. Ich mag es, bei Verkäufern und Kellnern nach Tipps zu fragen. Tipps für Restaurants mit regionaler Küche, Tipps für Ausflüge, Badestellen, Besonderheiten, wo ich am besten mit dem Hund hingehen kann – die meisten reden gerne über ihre Region und denken sich etwas Schönes für uns Fremde aus. In Nizza haben wir von einem Verkäufer in einem Fahrradladen einen sensationellen Tipp bekommen, wo wir Socca essen können. Beides, das Restaurant und Socca hätten wir von alleine nicht ausprobiert.

Bei Christoph, dem Mann vom Markt, bekommt unser Hund immer einen Apfel. Mittlerweile sogar kleingeschnitten – unser Mimöschen kann mit einem ganzen Apfel nicht umgehen…

4) öffentliche Verkehrsmittel

Wenn Du Lust hast, ein bisschen herumzukommen und mehr von der Gegend zu entdecken, dann gibt es hier in Südfrankreich viele Möglichkeiten, wie Du das machen kannst. Du kannst zum Beispiel den Zug oder den Bus nehme. Hier kannst Du Deine Strecke mit verschiedenen Verkehrsmitteln planen. Im Sommer gibt es auch kleine Fähren, z.b. von Cannes nach Theoule oder Saint Maxime nach Saint Tropez. Und auch noch an anderer Stellen. Sie nennen sich “Navette”.

mit dem Füßen im Sand genießen

5) Übernachten

An der Côte d’Azur hast Du alle Freiheiten, die Du gerne haben möchtest. Du kannst in ein Hotel gehen, in eine Ferienwohnung, in ein Apartmenthotel, in eine Ferienanlage, in Hostels (die teilweise reine Frauenschlafsäle haben z.b. in Nizza hier (*) und hier (*) oder in Antibes (*), aber auch reine Männerschlafsäle(‘*) und totale Luxuszimmer (*) ), zelten – alles, was Du willst. Wobei ich zelten bei den Temperaturen nicht empfehlen würde…

6) Sightseeing

Auch hier gibt es keine Einschränkungen, weil Du als Frau (oder Mann) alleine reist. Es gibt ein paar Sachen zu beachten, wie Öffnungszeiten oder eventuell Kleiderordnung (wenn Du z.b. in die Oper willst), aber ansonsten legt Dir niemand Steine in den Weg, weil Du alleine unterwegs bist.

7) Sprache

Gemeinhin wird den Franzosen unterstellt, nur französisch zu sprechen und auf Durchzug zu schalten, wenn man es mit englisch versucht. Das ist an der französischen Riviera nicht der Fall! Hier sprechen von der Bäckersfrau bis zum Busfahrer alle wenigstens ein paar Worte Englisch. Und wenn Du doch mal in einem Bergdorf jemand finden solltest, der nur Französisch spricht, dann hast Du eine lustige Anekdote zu erzählen, wenn Du zurückkommst. Denn oft hält es das Gegenüber nicht davon ab, weiterzureden, wenn man darauf hinweist, dass man nichts versteht. Es spricht nur lauter!

8) Einsamkeit

Ja, das ist ein wichtiger Punkt und wir wollen den Tatsachen ins Auge blicken: das Risiko besteht. Aber weißt Du, es ist recht einfach, dem entgegenzuwirken: Übernachte in Hostels! Melde Dich zu einer Aktivität an, z.B. über airbnb. Mach einen Parfümkurs in Grasse! Mach bei freewalkingtours mit wie in Antibes, Cannes oder Nizza! Geh in einen Irish Pub! Fahre bei Einheimischen mit! Oder setz Dich einfach zu jemandem auf die Bank und fang ein Gespräch an. Es liegt ganz bei Dir und wie aufgeschlossen und unternehmungslustig Du bist.


Fazit

Die Côte d’Azur ist eine tolle Destination, um erste Erfahrungen im Alleinreisen zu sammeln, nicht nur für Frauen, auch für Männer. Du kennst Dich in der Kultur aus, Du wirst keine Verständigungsprobleme haben, weil hier fast jeder wenigstens ein bisschen Englisch spricht, Du wirst Deine Gewohnheiten nicht mehr als bei anderen Reisen umstellen müssen, brauchst keine neue Garderobe oder besondere Verhaltensweisen und wenn doch alle Stricken reißen sollten, dann bist Du ohne große Umstände schnell wieder zu Hause. Ach, und habe ich erwähnt, wie unglaublich schön es hier ist?

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