Rustikales Ambiente bei der Boutique

Zu einem vollständigen Aufenthalt an der Côte d’Azur gehört meiner Ansicht nach auch der Besuch eines Weingutes. Natürlich inklusive dégustation. Wir sind hier immerhin in einem DER Weinanbaugebiete Frankreichs: der Côtes de Provence. Das Gebiet umfasst ca. 20.000 Hektar  und liefert  jährlich einen Ertrag von bald 1 Million Hektolitern Wein, wovon 80% Roséweine sind, was wiederum 8% der weltweiten Produktion ausmacht.

Nicht schlecht.

Aber welches von den vielen soll es werden?

Nach welchen Kriterien soll ich eins aussuchen? Vielleicht nach Tradition? Von einigen kenne ich die Namen aus dem Supermarkt und an anderen sind wir schon vorbeigefahren – davon eins? Oder soll ich eins nehmen, das viel Werbung macht?

Und dann fällt mir doch ein Kriterium ein, dass, wie sich herausstellt, schnell eine heftige Auslese macht:

Ich will ein Bio-Weingut besuchen.

Nach einiger Recherche fällt meine Wahl auf das Château Saint Roux.



Denn es ist das einzige Ökoweingut, das ich in der Gegend um Grimaud im Internet finden kann. Und es bietet noch einen weiteren Vorteil, wie ich schnell aufgeregt feststelle:

ein table d’hôte.

Ein table d’hôte geht meist mit einem chambre d’hôte einher und bedeutet, dass man ein Zimmer in einer Pension oder einem Bed & Breakfast, einem chambre d’hôte eben, bezogen hat und bei Halbpension abends mit den anderen Gästen und manchmal auch den Gastgebern zusammen isst, nämlich am table d’hôte. Ursprünglich gab es regionale Köstlichkeiten, sofern vorhanden aus eigener Landwirtschaft oder vom regionalen Markt und selten mehr als ein Menü zur Auswahl.

Mittlerweile sind Zimmer und Essen viel aufwendiger und man kann auch einen Tisch reservieren, wenn man kein Übernachtungsgast ist. Es erfordert etwas Recherche, weil es offenbar leider keine eigene Seite für table d’hôte gibt, logisch, da sie ja Teil der chambre d’hôte sind. Ich habe eine Seite gefunden, die viele Pensionen auflistet und wo man auch nach Regionen sortieren kann. Falls Du eine bessere, andere, einfachere kennst, schick sie mir doch bitte.

Das Château Saint Roux bietet neben Gästezimmern und Verköstigung auch noch eine Boutique, eine Käserei, einen Gemüsegarten und ein paar Ziegen – und natürlich einen Weinberg.

Anfahrt

Die Adresse lautet:

Route départementale 17, Route de la Garde Freinet, 83340 Le Cannet des Maures

(Hier geht es zur Karte.) Leider war es unglaublich schwer zu finden, was – wie wir später erfuhren – daran lag, dass es überhaupt erst zwei Monate vor unserem Besuch eröffnet hat. Es ist zwar ein traditionsreicher Weinberg und auch die Gebäude sind alt, aber das Gelände war fünf Jahre lang unbewirtschaftet und wurde dann zwei Jahre lang renoviert, bevor es im Juni 2018 wiedereröffnet wurde. Wir kommen also in einen frischen Altbau und alles ist noch etwas improvisiert. So gibt es nicht ein Schild, weder ein Straßenschild noch ein Schild an Kreuzungen oder über der Toreinfahrt. Zum Glück haben wir es von den Fotos wiedererkannt, als wir endlich da waren.

Und dieses kleine Detail: route déparementale 17 ( = RD17) ist WICHTIG! Ich hatte nicht verstanden, dass das praktisch auf eine Kreuzung hinweist und wir wurden vom Navi anständig mit der Kirche ums Dorf gejagt.

Aber wir haben es geschafft und unser Tisch hat schon auf uns gewartet. Zusammen mit einer Gruppe weinseliger Franzosen, die lautstark ein Jubiläum feierten – was etwas unsere beschauliche Stimmung gestört hat. Denn man sitzt dort wirklich fantastisch ruhig: unter riesigen Sonnenschirmen neben einem immensen Baum (dessen Namen ich leider nicht kenne), vor einem eine Wiese und dahinter und daneben: Weinstöcke bis zum Horizont bzw. zu den Bergen des Massif des Maures.



Das Essen war sehr lecker. Nach einem Gruß aus der Küche gab es für den Mann salade Caesar au filet d’autruche (Straußenfleisch) und für mich saumon gravlax (Lachs) und dann für uns beide petits farcis à la chair de lapin (gefülltes Gemüse mit Hase).



Der Mann hat dann noch einen Käseteller genommen, der natürlich aus Ziegenkäse bestand, immerhin haben sie dort ja eigene.

Wir waren rundum zufrieden.

Anschließend sind wir noch etwas durch die flirrende Hitze flaniert und haben die Boutique gesucht, um noch ein Fläschchen mit nach Hause zu nehmen. Als wir sie fanden, waren wir beeindruckt:



Wir hätten noch mal eine dégustation machen können, aber zum einen hatte der Mann ja schon zwei Gläschen zum Essen getrunken, wir wussten also, welchen wir wollten und zum anderen musste ich fahren. Daran erkennt man wohl die Deutschen: lehnen eine Verkostung ab, weil sie “fahren” müssen. 😉

Wie beschreibt man Wein?

Jetzt versuche ich mich mal an einer Beschreibung. Sei nachsichtig: es ist meine erste 🙂

Die Farbe ist ein wunderschön sattes Rosa, was mich an Pampelmusen denken lässt. Er riecht nach viel. Besser kann ich es nicht sagen. Manchmal riecht ein Wein nach Alkohol und Wein. Bei dem hier kann auch eine mittelgeübte Nase ziemlich sicher verschiedene Aromen herausfinden. Ich wollte jetzt auf dem Etikette schmulen, was drin ist. Aber: steht nicht drauf. Mist. “Kräftiger Charakter und elegante Struktur”, ja, das finde ich auch.

Mein Rat: probieren! Mir schmeckt er ganz vorzüglich!

Fazit:

Das Château Saint Roux ist eine schöne Idee, wenn man lecker Essen und anschließend noch eine Flasche / Kiste Wein mitnehmen will. Oder ein langes Wochenende an einem besonderen Ort verbringen möchte. Da es auf dem Weg zwischen Autobahn und St. Tropez liegt, kann man prima anschließend noch den Ort besichtigen oder im Meer planschen. Oder man besichtigt das Kloster de la Verne im Massif des Maures.

Hier kommen noch ein paar Eindrücke:



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