Hafeneinfahrt von Marseille

Heute geht es nach Marseille!



In den letzten Jahren hatte ich zu viel von dieser Stadt am Mittelmeer gehört, um ernsthaft einen Tagesausflug dorthin machen zu wollen. “Laut, hektisch und gefährlich” hatte ich mir gemerkt. Also viel zu anstrengend, um mal eben an einem Samstag fast 400 km zu schrubben und ein paar wenige Stunden durch Marseille zu hetzen.

Aber in diesem Jahr haben wir tatsächlich ein paar Tage Urlaub machen können und der Mann wollte nach Marseille, nachdem er eine schöne Reportage darüber gesehen hatte. Na und ich wollte ein paar Tage im Meer planschen. Der letzte Sommerurlaub lag lange zurück und mir fehlte diese Leichtigkeit eines Sommertages am Meer. Da wir schon ein paar Tage beim “Grand Canyon Europas” gebucht hatten, war Marseille die (erst)beste Möglichkeit, zu ein paar Tagen am Meer zu kommen.

Und was soll ich sagen? Es war der absolute Knaller!

Bevor ich Dir jetzt davon vorschwärme und hoffentlich Deine Neugierde wecke, will ich noch kurz sagen, dass ich mit diesem Artikel bei der Blogparade von reisewut mitmache. Das Thema ist mehr als passend: Reisehighlights 2018! Mir hat zwar unsere ganze Reise gefallen, aber Marseille hat mich auf eine ganz besondere Art zutiefst beeindruckt und davon will ich Dir jetzt gerne erzählen. Und weil es in dieser wunderschönen Großstadt am Mittelmeer unglaublich viel zu erleben gibt – oder ich zu viel zu erzählen habe – ist der erste Entwurf des Artikels zu lang für Kurzweil geworden, deswegen habe ich ihn aufgeteilt.

 

Die Unterkunft

Ich bin am liebsten in Ferienwohnungen. Da fühle ich mich freier. Ich habe dort einen Kühlschrank und einen Wasserkocher, kann mir also jederzeit einen Tee oder ein Sandwich machen und vor allem haben der Hund und wir unsere Ruhe. Nachdem, was man so hört, ist es unüblich, aber unser Dicker schläft gerne in einem anderen Zimmer als wir. Schwierig im Hotel. Deswegen habe ich eine tolle Unterkunft gesucht – Gott sei Dank waren wir so clever und haben auf einen Parkplatz geachtet.

 1. Tipp: Marseille ist eine Großstadt. Du brauchst eigentlich kein Auto, denn der Nahverkehr funktioniert einwandfrei. Selbst die Calanque ist mit Zug und Bus gut zu erreichen. Sicher ist es etwas bequemer, dort mit dem Auto hinzufahren. Aber nicht notwendig.

Unsere Wohnung befand sich im 7. Arrondissement, in Malmousque. Ich habe absichtlich dort gesucht und war beglückt, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag: es ist der ideale Ausgangspunkt, um Marseille zu erkunden. Zentral gelegen, aber abends angenehm ruhig. Fußläufig gibt es alles, was man braucht: von der Boulangerie über den Fleischer bis zum Supermarkt, vom Kosmetiksalon über ein Geschäft mit Hundespielsachen bis hin zu Sonnenbrillen, die dort hergestellt werden und online reißenden Absatz in Japan finden, bei uns aber gänzlich unbekannt sind. Aber das Beste ist: man kann von hier aus die Stadt zu Fuß erkunden! Und der Oberknaller ist, dass man in wenigen Schritten an der typischen Felsenküste ist und baden, schnorcheln und planschen kann, so viel das Herz begehrt!



Lage und Geschichte

Vielfach wird behauptet, dass Marseille das westliche Ende der Côte d’Azur markiert. Aber die Côte d’Azur ist geografisch eigentlich nicht genau definiert. Sicher ist, dass Marseille die zweitgrößte Stadt Frankreichs ist (Stand 2015) und die Hauptstadt des Departement Bouches-du-Rhône. Die Stadt liegt zwischen 0 und 652 m hoch und das Stadtgebiet ist mit 240 km² mehr als doppelt so groß wie Paris.



Die Gründung ca. 600 v.Chr. geht auf griechische Seefahrer zurück.

Im 19. Jh. wurde Marseille zum bedeutendsten Hafen Frankreichs, was vor allem an der Kolonialisierung von Afrika und Indochina lag. Die folgende Geschichte ist bewegt und nach dem Ersten Weltkrieg geprägt durch Korruption der politischen Führung und Einfluss der korsischen Mafia. Nach Frankreichs Kapitulation im Zweiten Weltkrieg sprengte die deutsche Wehrmacht große Teile des Hafens und siedelte die Anwohner der Altstadt gezwungenermaßen um, da die Gegend als Hochburg der Résistance galt.

Nach dem Krieg erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung und mit Ende des Algerienkrieges 1962 kamen viele Algerienfranzosen nach Marseille, um sich hier niederzulassen. Dafür wurden eigens Wohnsiedlungen im Norden der Stadt errichtet. Ab 1970 kam es zu erheblichen Problemen durch Niedergang der traditionellen Industrie, unkontrollierte Einwanderung, zunehmende Kriminalität, Verschmutzung und wachsenden Verkehr. Die wohlhabenden Bewohner verließen nach rassistischen Ausschreitungen die Stadt und die Bürgermeister wurden der Kriminalität und illegalen Einwanderung nicht Herr.

1980 begründeten Jugendliche aus den sozialen Brennpunkten der Stadt den französischen Hip-Hop.  Kennt noch jemand IAM? Oder 45 Niggaz?

Kriminalität

Besonders in den nördlichen Wohnvierteln spielt Kriminalität, durch soziale Probleme bedingt, eine große Rolle. Wie immer begann irgendwann eine traurige Abwärtsspirale und die Politik hat versäumt, dieser Herr zu werden. Deindustralisierung und damit einhergehende Entlassungen, hohe Jugendarbeitslosigkeit in sozial schwachen Gegenden, wo Drogenhandel oft die einzige Einnahmequelle war und 2007 wurden dann auch noch 350 Stellen bei der Polizei gestrichen – das alles hat dazu geführt, dass Marseille den (verdienten) Ruf hatte, die gefährlichste Stadt Europas zu sein.

2013 allerdings ernannte man sie zur Kulturhauptstadt und es wurde einiges dafür getan, dass dieser Ruf besser wurde.

Ab 2016 wurde die französische Serie “Marseille” produziert und auf Netflix ausgestrahlt. Darin wird ein erschreckendes Bild über politische Seilschaften in der Stadt gezeichnet. Und auch wenn man 50 % Fiktionsfaktor abzieht, ist was übrig bleibt immer noch unglaublich.

 

Das war eine lange Vorrede. Bist Du noch da?

Es ist mir wichtig, dass Du ein bisschen etwas über die Entwicklung der Stadt weißt, damit Du ein Gefühl für die Stimmung und unsere Erlebnisse in Marseille bekommst. Ich bin davon überzeugt, dass man eine Stadt nicht verstehen kann, wenn man ihren Hintergrund nicht kennt.

Gut, lass uns Marseille erkunden!

Wir sind nachmittags in Malmousque angekommen und nach auspacken, einkaufen und verschnaufen sind wir sofort losgegangen, um das Meer zu suchen. Wir waren nicht darauf vorbereitet, dass wir ein kleines Paradies finden würden.

Die Marseillaiser gehen nach der Arbeit noch im Meer baden oder setzen sich zum Sonnenuntergang an diese wunderschöne Felsenküste – was für eine fantastische Art, den Feierabend zu zelebrieren. Die Sonne geht farbenprächtig unter, manch einer hat eine Flasche Wein dabei, andere machen Musik – die Stimmung ist entspannt-karibisch, so etwas hielt ich bisher in Europa für unmöglich. Wir hatten noch unsere deutsche Korrektheit im Blut und sind wie die aufgescheuchten Hühner hinter dem Hund her gerannt: Mach das nicht, mach jenes nicht, Nein, Nein, NEIN!, komm her, Fuß! Und die Leute saßen nur so rum, lächelten den Hund und uns an und waren völlig tiefenentspannt. Absolut jeder freute sich, wenn er den Dicken streicheln konnte und der freut sich sowieso immer über alles. Also dachten wir, wir könnten auch mal einen Gang rausnehmen und uns der allgemeinen Entspanntheit anpassen.

Schön war’s.



Le Pharo, Opéra und Noailles

Am nächsten Morgen haben wir uns zu Fuß auf den Weg in die Altstadt gemacht. Es war viel zu heiß für uns drei und als wir an einem schönen Park vorbeigekommen sind, haben wir spontan einen Abstecher gemacht. Le Pharo liegt direkt gegenüber vom MuCEM, dem bekannten Museum Marseilles, und man hat einen tollen Blick auf die Hafeneinfahrt und die Stadt, während einen eine kleine, frische Brise umweht.



Anschließend ging es weiter am Hafen entlang, in die Viertel Opéra und Noailles und dann wieder zurück zur Wohnung. 10 km und wir waren rechtschaffen müde. Aber baden musste noch sein…

2. Tipp: Sei offen für Begegnungen! Und sprich die Menschen an! Ich habe selten Großstadtbewohner erlebt, die so offen und freundlich sind, wie die Marseillaiser. Dabei sind sie leider auch vorsichtig und misstrauisch, aber nur ihren Mitbewohnern gegenüber. Im Park von le Pharo haben wir eine junge Frau kennengelernt, Marie, die uns in den nächsten Tagen noch per Mail mit Tipps versorgt hat. Dabei hat sie auch immer wieder erwähnt, wo es gefährlich ist und wir nicht hingehen sollen. Was uns ein bisschen irritiert hat.

Im ersten Restaurant wünschte uns der Kellner zum Abschied viel Spaß und dass wir gut auf unsere Taschen aufpassen sollen. Oft wurden wir angesprochen, mal wegen des Hundes, mal weil man uns Deutsch sprechen gehört hat – es war toll! Aber die skurrilste Begegnung war wohl die am letzten Abend an “unserer” Badestelle, wo zwei junge Männer uns deutsch sprechen hörten und spontan zu ihrem Barbecue einluden. Einer der beiden wohnt mittlerweile in Leipzig und besuchte mit seiner deutschen Freundin seinen Kumpel. Die beiden Freunde waren in Algerien zusammen im gleichen Dorf aufgewachsen und hatten sich in Marseille wiedergetroffen. Es war nett, auch wenn wir viel über kulturelle Unterschiede gelernt haben.



Der Hafen & le Panier – die Altstadt

Die Füße taten uns nach dem Marsch ordentlich weh und heiß war es auch am nächsten Tag wieder, deswegen sind wir auf die andere Seite des Hafens gefahren und haben es langsam angehen lassen.

Am Hafen fand vormittags der Fischmarkt statt. Das Spiegeldach von Norman Foster hat uns zu lustigen Fotos inspiriert. Aber uns zog es in die Altstadt, zur Cathédrale la Major, dem MuCEM und dem Fort Saint-Jean. Der Hund muss natürlich bei den großen Bauten draußen bleiben und so saß immer einer von uns beim Hund im Schatten, während der andere besichtigen gegangen ist.



Unterhalb der Kathedrale befinden sich les Voûtes, die ehemaligen Gewölbekeller, wo die Mönche früher Wein lagerten, wie ich auf dem Schild erfahren konnte. Mittlerweile sind dort Restaurants und Geschäfte angesiedelt und ich war völlig begeistert von der ungezwungen Stimmung und dem Angebot. Wir waren in einem vegetarischen Restaurant, in dem es auch naturbelassene Kleidung zu kaufen gab. Es war toll, sieh selbst:



 

Für heute mache ich an dieser Stelle Schluß. In Teil 2 geht es dann zum Shopping, Essen (ich sage nur: Bouillabaisse!) und nach Vallon des Auffes. Außerdem findest Du dort weitere Tipps sowie einen super Insidertipp!


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