ein wilder Mix - aber heimelig

Hier habe ich Dir schon ein paar Dinge zu Trinkgeld und Begrüßungsküssen erklärt. Heute geht es mit Tischmanieren und Verkehrsverhalten weiter.

ein wilder Mix - aber heimelig

Essengehen im Restaurant

Das Folgende gilt für Restaurants mit Tischdecken und Silberbesteck. Nicht für Brasserien, Bistros oder Cafes / Bars.

Wenn Du schick essen gehst, hast Du wahrscheinlich sowieso einen Tisch reserviert. Besser wäre es zumindest, denn die Restaurants im Süden sind alle immer gut besucht und wenn man sich auf ein Angebot freut, wäre es doch zu schade, wenn man dann spontan keinen Platz bekommt und weitersuchen muss.

Jedenfalls gilt, ob Du reserviert hast oder nicht, dass der Kellner Dich zu einem Tisch führt und Du Dir nicht selber einen aussuchen kannst. In weniger edlen Restaurants löst sich das meist, indem man Blickkontakt zu einem Kellner herstellt und der auf einen Tisch oder in eine Ecke zeigt, wo man sich dann einen Platz aussuchen kann. Oder er ruft Dir durch das Restaurant hindurch zu, wieviele Ihr seid und wo Ihr Euch hinsetzen könnt. Wenn Dir der zugewiesene Tisch nicht gefällt, kannst Du fragen, ob Du einen anderen haben kannst.

Der Ablauf eines französischen Menüs

Wenn Du schick essen gehst, dann wählst Du wahrscheinlich ein Menü. Preislich ist das oftmals günstiger als à la carte zu essen und Du lernst gleich viel mehr Gerichte kennen. In einem edlen Restaurant beginnt man meist mit einem Apéritif. Es muss aber nicht jeder am Tisch einen nehmen und es muss auch nicht immer alkoholisch sein. Eine Cola gilt in Frankreich durchaus als Aperitif. Dazu bekommt man meist ein paar Nüsse, bzw – und das ist viel besser: geröstete Brotscheiben und Tapenade (eine Olivenpaste aus schwarzen Oliven, Sardellen und Knoblauch – Spezialität der Region).

Es folgen Vorspeise und Hauptgericht. Oft kann man innerhalb eines Menüs aus drei bis fünf Vorschlägen wählen. Das hängt von der Preiskategorie und dem Koch ab.

Anschließend gibt es Käse und / oder Dessert. Es hängt ebenfalls vom Menüpreis ab, ob man beides bekommt. (Natürlich kann man auch noch ein Dessert extra bestellen, wenn man möchte.)

Anders als bei uns

Achtung beim Käse! Wenn die Auswahl nicht schon in der Küche gemacht wurde, bringt Dir der Kellner Käse auf einem Tablett oder manchmal auch auf einem Käsewagen. Du darfst Dir dann ein paar Stückchen davon aussuchen, die der Kellner für Dich abschneidet, aber auf keinen Fall alle nehmen! Wenn Du aufmerksam dem Kellner gegenüber bist, merkst Du, wieviele Du haben kannst. Ein guter Kellner „führt“ Dich auch ein wenig bei der Auswahl, so dass Du eine harmonische Auswahl bekommst und nicht versehentlich nur sehr starken Sorten wählst.

Zu manchen Käsesorte gibt es auch Saucen oder Konfitüre. Probier‘ das mal unbedingt, der Käse schmeckt dadurch ganz anders.

Anders als bei uns

In ganz Frankreich bekommst Du zum Essen kostenlos Leitungswasser. Touristen gegenüber wird das manchmal „vergessen“. Falls Du es nicht unaufgefordert bekommst, bestellst Du „une carafe d’eau, sil-vous plait“ (ün Karaff do, silvuplä). Normalerweise wird sie auch ausgewechselt, wenn sie leer ist. In teuren Restaurants solltest Du aber trotzdem noch Wein dazu bestellen. Oder wenn Du keinen willst, lieber ein Mineralwasser nehmen.

Nach dem Essen

Getrennte Rechnungen wie bei uns sind in Frankreich unüblich. Unter Franzosen ist es üblich, dass einer am Tisch bezahlt und der Betrag durch die Anwesenden geteilt wird. Wenn man immer in der gleichen Gruppe essen geht, dann übernimmt abwechselnd jeder mal die Rechnung und zahlt für alle. Aber das genaue aufrechnen, wer wieviel gegessen und getrunken hat, ist nicht üblich.

Auch in den hochpreisigen Restaurants lässt Du das Trinkgeld auf dem Tisch liegen, wenn Du gehst. (Wahrscheinlich hast Du ein Mäppchen mit der Rechnung bekommen, darein kommt auch das Trinkgeld.) Weiteres zum Thema pourboire findest Du hier.

Anders als bei uns

In Frankreich gelten etwas strengere Tischmanieren als bei uns. So werden z.b. (Geflügel-)Keulen mit Messer und Gabel gegessen, ebenso das Obst zum Nachtisch. Baguette wird niemals geschnitten! Man reißt es (in angemessen großen Stücken) ab. Aber im Restaurant bekommt man einen Brotkorb mit eben doch vorgeschnittenen Scheiben.

Außerdem legt man das Baguette, das man nicht mehr ißt oder für den nächsten Gang aufhebt, immer neben den Teller, nicht darauf.

Zu große Salatblätter werden gefaltet, nicht geschnitten. Und wie man Käse abschneidet, dafür gibt es ein eigenes Regelwerk! Denn je nach Sorte wird er anders geschnitten. Ganz grob kann man sagen: runde und eckige Käse werden wie Torten geschnitten, egal wie groß sie sind. Bei Hartkäse in dreieckiger Form wird erst schräg die Spitze abgeschnitten und anschließend werden von dort aus kleine Scheiben abgeschnitten. Eine längliche Rolle wird in Scheiben geschnitten. Guck Dir hier die 7 häufigsten Fehler bei Käseplatten an.

französische Essenszeiten

Das ist sicher jedem schon mal passiert: Man ist in Frankreich, hat Hunger, weil es schon nach 14 Uhr ist – und alles hat zu!

Die Franzosen frühstücken normalerweise nicht so üppig wie wir in Deutschland das gerne tun. Deswegen findet das Mittagessen früher statt, nämlich zwischen 12-14 Uhr. Danach machen die meisten Restaurants bis zum Abend zu. Ein paar wenige bieten durchgehende Küche an. Da sitzt man dann aber auch gerne mal ganz alleine…

Die Restaurants machen für das Abendessen ab 19 Uhr auf. Aber wenn man dann schon vor der Tür steht, wird man ziemlich komisch angeguckt. Ab 20 Uhr wird es dann voll.

Kaffeekultur

Das, was wir gewohnt sind, nämlich Kaffee und Kuchen und dabei genüßlich sitzen und reden, gibt es in Frankreich nicht. Wer nur einen Kaffee will, trinkt den in einer bar/tabac am Tresen im Stehen. Wer etwas mehr Zeit hat, setzt sich dabei kurz hin.

Kuchen findest Du am ehesten in einem salon de thé oder einer patisserie.

Meinen Artikel über die verschiedenen Kaffee-Angebote findest Du hier.

Autofahren in Frankreich

Auch wenn man leicht den Eindruck gewinnen kann, dass man es hier mit den Verkehrsregeln nicht so genau nimmt, solltest Du Dich davon nicht beeindrucken lassen. Dies gilt vor allem für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstraßen und Autobahnen. Die französische Gendarmerie steht gerne mal am Straßenrand und knipst ungeliebte Urlaubserinnerungen.

Gelb markierte Bordsteine zeigen übrigens ein Parkverbot an, zusätzliche Schilder mit weiteren Informationen gibt es dazu selten.

Hast Du Dich schon mal gefragt, wie man eigentlich dreispurige Kreisverkehre überlebt? Bei meiner ersten Autofahrt durch Frankreich bin ich im ersten Kreisverkehr quasi hängengeblieben und habe ein paar Ehrenrunden gedreht, bevor ich mich wieder rausgetraut habe. Sehr zur Erheiterung meiner Mitreisenden… Mittlerweile verstehe ich die Regeln und Du auch gleich:

Je nach Ausfahrt musst Du Dich schon VOR dem Kreisverkehr in die richtige Spur einordnen. Willst Du gleich die erste Abfahrt nehmen, ist die ganz rechte Spur die richtige. Willst Du geradeaus durchfahren, geht das rechts oder auf der mittleren Spur. Willst Du links raus, dann nimmst Du die Spur ganz links. Ebenso, wenn Du umdrehen willst.

Natürlich musst Du trotzdem aufpassen, denn es gibt immer irgendwen, der seine Meinung ändert und von links kommend doch noch schnell rechts rauswill und hinter Dir fahren ja auch andere in den Kreisverkehr ein. Deswegen ist ein weiteres wichtiges Hilfsmittel das Blinken. Aber da jeder die Regeln kennt, achten die hinter Dir auf Dich, Deine Spur und Deinen Blinker. Es wird nur schwer, wenn Du z.b. rechts bist, aber nicht rechts abfährst, sondern weiter im Kreisverkehr bleibst.

Noch eine merkwürdige Sache gibt es hier in Frankreich, die es bei uns nicht gibt. Das sind die vermeintlichen „Fahrradampeln“. Hast Du die schon bemerkt? Die sind im Vergleich zur großen Ampel etwas verdreht. Meine Theorie ist, dass sie für die Mopeds ist, die sich an der Ampel vorquetschen und dann vor den Autos die große Ampel oben nicht mehr sehen können. Auf jeden Fall finde ich sie auch sehr praktisch, denn man kann bis zur Haltelinie vorfahren und muss dann nicht seine Gelenkigkeit unter Beweis stellen, weil man oberhalb vom Innenspiegel noch einen Blick auf die Ampel erhaschen will.

Obacht allerdings, wenn Du zurück in Deutschland bist. Ich bin schon das ein oder andere Mal mit der hiesigen Fahrradampel losgefahren, die oft früher grün wird als die Ampel für die Autos.

Anders als bei uns

Vielleicht ist es Dir schon aufgefallen, aber die Südfranzosen stehen gerne an. Sei es beim Bäcker oder an der Kasse: man hat hier einfach mehr Muße als bei uns… Das macht sich auch im Straßenverkehr bemerkbar, denn die Einheimischen halten an, sobald es Gelb wird. Das ist für uns ja eher ein Anlass, nochmal auf die Tube zu drücken, „kirschgrün“ ist noch grün genug…

Ich weiß nicht, ob es in Frankreich andere Strafen gibt, wenn man bei Gelb rüberfährt. Aber ich bemühe mich immer, es nicht allzu oft zu machen.

Und die Fußgänger?

Das ist auch noch mal ein bisschen spannend. Sicher kannst Du Dir nach meiner Vorrede, dass Franzosen gerne mal anstehen, denken, dass man hier brav an den Ampeln wartet, bis man gehen darf. Aber wie geht das an den Zebrastreifen? Da benehmen sich die Autofahrer ein wenig, als seien sie auf Großwildjagd. Wenn Du stehen bleibst und darauf wartest, dass einer anhält, wirst Du alt und grau, bevor sich einer erbarmt! Der Witz ist, dass die Franzosen eine Vollbremsung hinlegen, sobald man einen Fuß auf die Straße gesetzt hat. Aber das muss man sich halt auch erstmal trauen… Gucken musst Du aber natürlich trotzdem!

Zugfahren

Den TGV kennt ja jeder und bestimmt steht eine Fahr mit ihm auf der ein oder anderen To-Do-Liste. Deswegen hier ein paar kurze Infos. Im TGV ist eine Reservierung Pflicht! Du bekommst sie gleich beim Kartenkauf. Es gibt zweigeschossige TGVs, auf der Karte steht, ob Du oben oder unten reserviert hast. Die Türen eines TGV schließen bereits 2 Minuten vor der Abfahrt und gehen dann auch nicht mehr auf. Sei also rechtzeitig vorher da. Die Fahrkarten müssen vor dem Einsteigen in den Zug entwertet werden (außer Online-Tickets). Am Anfang der Bahnsteige findest Du gelb-orange Automaten zum Entwerten.

Anders als bei uns

Alle Gepäckstücke, die Du in den Zug mitnimmst, müssen aus Sicherheitsgründen einen Adressanhänger haben, sonst werden sie als „herrenlos“ konfisziert. Über den Sitzen gibt es hier keinen Platz für Dein Gepäck. Gepäckablagen befinden sich jeweils am Anfang und Ende der Abteile sowie in deren Mitte.

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