Zusammen am Meer die Seele baumeln lassen

Ich habe größte Lust, mal davon zu erzählen, wie es ist, mit seinem Hund nach Südfrankreich zu fahren.

Vielleicht gehörst Du zu denjenigen, die die Côte d’Azur nicht auf dem Schirm haben, weil sie fürchten, die Anreise sei zu weit? Oder die vielleicht denken, dass Hunde dort eher Modeaccessoires sind und wenn man keine zum Outfit passende Handtasche hat, in der man seinen Hund spazierentragen kann, dann ist man in dieser Gegend falsch?

Dann ist dieser Artikel für Dich, denn der Mann und ich pendeln seit vielen Jahren mit unserem Hund zwischen Berlin und der Côte d’Azur und wir haben einen großen, schwarzen Labradorrüden, der wahrlich in keine Handtasche passt.

Als wir zum ersten Mal – damals noch als Paten für unseren Blindenführhund – nach Frankreich fahren wollten, haben wir beängstigende Geschichten zu hören bekommen. Dass die französische Polizei jeden Hund, bei dem man Muskeln sieht, für einen Kampfhund hält und ohne viel Federlesen konfisziert, war nur eine der vielen Schreckensnachrichten. Wir waren einigermaßen verwirrt, denn schließlich kannten wir Franzosen, die auch selber einen Hund hatten und haben die Warnungen gar nicht mit unseren Erlebnissen vereinen können. Also sind wir kurzerhand einfach mal hingefahren.

Allerdings waren wir etwas angespannt, haben vorsorglich beim Tierarzt alle Impfungen aufgefrischt und pedantisch darauf geachtet, den EU-Impfausweis auch ja immer dabei zu haben. Und was war? Nix war!

Mit Hund nach Südfrankreich

Lass Dich bloß nicht von Hörensagen oder Schreckensnachrichten aufhalten! Es gibt Regeln zu beachten – wie in jedem anderen Land auch – aber abgesehen davon ist es für uns und den Hund einfach toll, das südfranzösische Leben zu genießen:



Unser Hund ist nicht der einfachste Charakter. Er hatte einen recht schweren Start ins Leben und bevor er mit drei Monaten zu uns kam, war er bereits in zwei anderen Stationen gewesen. Ein Hund macht Arbeit! Sicher ist es nett, seinen Kindern einen Welpen unter die Tanne zu setzen, aber ihn dann im Wald an einen Baum zu binden, wenn die Arbeit wieder losgeht, ist Sch… Jetzt ist er seit über fünf Jahren bei uns und fühlt sich sicher genug. Das hat uns viel Überzeugungsarbeit gekostet.

Trotzdem findet er alle Menschen super – und alle Menschen finden ihn toll. Aber die Südfranzosen heben den Begriff „tierlieb“ noch mal auf eine ganz andere Stufe! Wo wir auch sind wird er geherzt und gestreichelt, bekommt Leckereien und gute Worte – es macht viel Spaß, dabei zuzugucken. Und es entschleunigt mich. An manchen Tagen latsche ich unmotiviert durch den Wald und warte genervt auf den Hund, der mal hier, mal da schnüffelt – wie Hunde das eben so machen… Das ist dann weder für ihn noch für mich eine besondere Freude. Manchmal merke ich meine Gereiztheit erst, wenn mich Passanten aufhalten, weil sie den Hund begrüßen und mit mir über ihn reden wollen. Das nehme ich dann als Aufforderung, durchzuatmen und einen Gang herunterzuschalten, damit wir beide noch einen schönen Spaziergang zusammen haben können.



Von Philipe, dem Obst- und Gemüsehändler in unserem Dorf bekommt der Hund immer einen (oder mehrere) von den angeditschten Äpfeln. Er freut sich immer riesig, wenn ich ihn mit zum Einkaufen nehme:



Philipe schneidet sie sogar noch in Würfel, damit mein Dicker sich nicht so abmühen muss mit dem Beißen…

Auch ins Coup de Fourchette dürfen wir ihn immer mitbringen, selbst wenn das kleine Restaurant gerappelt voll ist. Im Wald, in der Stadt, auf dem Markt, im Restaurant – überall werden wir freudig begrüßt und herzlich empfangen.

Die französischen Hunde

Wir meinen, zwei Typen ausmachen zu können: den Hofhund und den Schoßhund. Etwas anderes scheinen die Südfranzosen mit ihren Hunden nicht zu machen. Hundeschulen sind eher rar. Entsprechend reagieren die Hunde. Die Hofhunde kriegen fast einen Herzkasper hinter dem Zaun oder an der Leine und die Schoßhunde eigentlich auch, nur aus anderen Gründen. Der Hund guckt dann immer etwas fragend zu mir hoch, aber ich kann ihm nicht erklären, warum seine Artgenossen so einen Aufstand machen. Wir gehen einfach schnell weiter. Spielfreunde hat er keine gefunden, was aber auch ein bisschen an ihm und seiner Geschichte liegt.

Natürlich ist im Wald wie auch sonst Leinenpflicht. Wessen Hund zum Jagen neigt sollte sich auch daran halten, denn es gibt viele Wildtiere in der Region. Meiner neigt nicht zum Jagen und hört auch gut, weswegen ich ihn ohne Leine laufen lasse. Kommt uns ein Mensch mit Hund entgegen, warte ich, wie der Mensch reagiert. Leint dieser seinen Hund an, mache ich es auch. Wirkt er entspannt, dann können sich die beiden Hunde begrüßen. Generell hole ich meinen Hund immer erstmal zu mir, wenn ich jemandem begegne, egal ob mit ohne ohne Vierbeiner.

Mit Hund im öffentlichen Raum

In der Stadt gilt Leinenpflicht – klar, wie bei uns. Im Sommer darf man nicht an die Strände – wie bei uns. Aber auch in Südfrankreich gibt es Hundestrände.

Doch vor allem gibt es auch versteckt liegende Badebuchten außerhalb von Siedlungen. Offiziell müssen Hunde hier manchmal auch an der Leine bleiben, aber wo kein Kläger… Da muss ich vielleicht kurz ein wenig ausholen:

Der französische Ungehorsam

Der hat Tradition und die Franzosen sind stolz darauf. Sie beugen die Regel gerne und ausgiebig. Diese Entspanntheit war etwas, das uns sehr beeindruckt und viel gelehrt hat. Dabei ist es keineswegs so, dass jeder macht, was er will, denn gleichzeitig achten die Nachbarn sehr genau darauf, dass man nicht über die Stränge schlägt. Wie immer bei ungeschriebenen Gesetzen besteht auch hier ein fragiles Gleichgewicht. Wir Ausländer können die Gepflogenheiten am einfachsten durch Beobachten der Einheimischen und Nachfragen herausfinden. Ein großes, zugrunde liegendes Prinzip ist: wenn es keinen stört, mach einfach, aber verhalte Dich dabei trotzdem zurückhaltend.

Mit Hund baden

Wenn Du also mit Deinem Hund in einer Badebucht bist, dann lass jetzt nicht alle Fünfe gerade sein, Deinen Hund zwischen allen anderen Gästen durchs Wasser toben und in jedes Gebüsch urinieren. Setz Dich in eine schattige Ecke, geh mit Deinem Hund an der Leine baden, wenn nicht so viele anderen Menschen im Wasser sind (ach, und schütteln sollte er sich auch nicht unbedingt in der Mitte fremder Handtücher) und verhaltet Euch insgesamt ruhig und unauffällig. Höflich eben.

Aber da es tagsüber generell viel zu heiß für Deinen Hund ist, bist Du sowieso nur am Wasser, wenn es schon später und damit leerer ist. Und wenn kein Mensch da ist, na dann lass Deinen Kleinen doch einfach laufen.



Mit Hund Sightseeing

Du liebst Deinen Hund, deswegen wirst Du gut für ihn sorgen. Ich sage es aber trotzdem noch mal: Im Sommer ist es viel zu heiß für ihn! Egal ob am Strand oder in der Stadt, wobei in der Stadt noch der heiße Asphalt dazukommt, auf dem Dein Hund sich die Füße verbrennen kann.

Tu ihm das nicht an!

Geh morgens und abends mit ihm raus, aber lass ihn tagsüber in kühlen Räumen oder im schattigen Garten. Unser Hund meint ab und an mal, dass es außerhalb der schattigen Wohnung gar nicht so heiß sein kann und er jetzt dringend raus muss. Da hilft dann alles gute Zureden nichts. Spätestens am Tor erkennt er dann aber selber, dass wir recht haben und dreht wieder um.

Beste Reisezeit mit Hund

Ich würde sagen, die beste Zeit, um mit Deinem Hund an die Côte d’Azur zu fahren, ist von Mitte September bis Mitte Juni. In der Zwischenzeit fällt das Thermometer kaum unter 30 °C und vor allem nachts kühlt es nicht richtig ab. Bei solcher Hitze geht jeder unserer Spaziergänge ans Meer und der Hund bekommt nach ein paar Tagen ordentlich Ausschlag, weil sein Fell durch das Dauerbaden nicht richtig trocken wird.

Ich persönlich bin am liebsten im September/Oktober und Mai/Juni an der Côte d’Azur. In dieser Zeit ist es tagsüber schön warm, der Hund und ich können zusammen baden, ohne andere Menschen zu stören, abends kann man draußen sitzen und nachts gut schlafen. Auch Ausflüge und Besichtigungen sind gut möglich, weil der Hund nicht schon nach zwei Schritten zu stark hechelt und ich nur immer nach Wasser und Schatten Ausschau halte.

Was Du auch noch wissen solltest: im Juli und August hat ganz Frankreich gleichzeitig Schulferien und die Franzosen bleiben am liebsten im eigenen Land. Es wird also knallvoll an der Côte d’Azur.

Reiseerfahrungen mit Hund

Unsere Strecke ist 1.500 km lang und wir übernachten auf halber Strecke. Der Hund fährt für sein Leben gerne Auto. (Das geht so weit, dass er ganz hibbelig wird, wenn er eine Woche nicht im Auto war. Manchmal lassen wir ihn dann für ein Weilchen einsteigen und ein Schläfchen im Auto machen, danach ist er wieder ganz der Alte.) Die Übernachtungen sind selten schön. Keiner von uns dreien kann in der fremden Umgebung gut schlafen. Manchmal haben wir Glück und finden eine Unterkunft, in der der Hund nachts keine Kreise läuft – wer weiß, woran das liegt! Feng Shui, Wasseradern, Magnetismus – ich habe keine Ahnung! Aber oft ist er zu unruhig zum Schlafen. Deswegen sind wir dazu übergegangen, Hotels mit Teppichboden zu buchen. Du weißt ja auch, wie nervig Krallen auf Laminat sind…

Am nächsten Tag sitzen dann drei geräderte Gestalten im Auto, wovon eine schon an der ersten Ampel auf der Seite liegt und schnarcht.

Wir halten ungefähr alle zwei Stunden an und drehen eine kleine Runde auf dem Parkplatz. Bisher durften wir ihn in allen Ländern, durch die wir fahren (D, A, I, F), in die Raststätten mitnehmen. Wenn wir am zweiten Abend auf unserem Parkplatz anhalten und seine Tür aufmachen, rennt er los und wartet ganz aufgeregt vor unserer Haustür. Ich bin mir sicher, dass er sich schon auf Frankreich freut, sobald wir anfangen, Taschen zu packen.

Mit Hund an der Côte d’Azur

Ich kann es nur immer wieder betonen: für mich ist diese Gegend die beste Urlaubsgegend mit Vierbeiner. Es heißt gemeinhin, Dänemark wäre das beste Hunde-Urlaubsland, das kann ich nicht bestätigen. Ich würde sagen, unser Hund hat sich in Dänemark gelangweilt, viel zu flach und gleichförmig. Außerdem hatten wir dort ein Haus ohne Zaun, was wohl üblich ist, aber deswegen mussten wir immer aufpassen. In Frankreich kann er rein und raus, wie er will. Er hat sogar schon mal nachts auf der Terrasse geschlafen! Eine große Sache für unsere kleine Chaosnudel. Unsere Spaziergänge führen über Stock und Stein, durch Flussläufe und auf Berge. Ein riesiger Spaß für uns drei.

In 98 % der Restaurants sind wir zu dritt willkommen. Gut, wir bekommen nicht den besten Tisch, aber den ruhigen in der Ecke hätten wir uns sowieso ausgesucht. Auch in fast alle Geschäfte darf er mit, nur ganz selten gibt es ein Verbotsschild an der Tür, aber das sind vorwiegend Lebensmittelgeschäfte und Bäckereien. (Allerdings hat uns die Bäckersfrau bei unserer nervösen Bemerkung, dass der Hund bei fast 30°C im Auto wartet, sofort rausgeschickt und unsere Bestellung später zum Auto gebracht. Hach, diese Franzosen…) Bekleidungsgeschäfte, Parfümerien, Buchhandlungen und Gartencenter sind überhaupt kein Problem. Parks und Gärten sind so eine Sache. In manche wie den Botanischen Garten in Èze oder den Val Rahmeh in Menton durften wir unseren Hund mitnehmen, in andere (z.b. in den exotischen Garten von Monaco) nicht.

Jetzt lasse ich einfach noch ein paar Bilder sprechen, dann kannst Du Dich selber überzeugen, dass eine Reise nach Südfrankreich mit Deinem Vierbeiner die beste Idee ist.



Wo fährst Du am liebsten mit Deinem Hund hin? Oder hast Du schon Erfahrungen mit der Côte d’Azur gemacht? Erzähl mal!

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